Die lokalen Erzeuger sind unser Kompass

Dr. An Michiels, Leiterin R&D bei Hazera Seeds:

WARMENHUIZEN – „Wir entwickeln anhand von Saatgutveredelung neue Sorten auf Grundlage der natürlichen Diversität. Innovation liegt uns also buchstäblich in den Genen.“ Dr. An Michiels ist die Leiterin der Abteilung Research & Development bei Hazera Seeds. Kürzlich wurden in Mexiko und in der Türkei zwei neue Screening- und Teststationen eröffnet. Diese liegen, gemeinsam mit einem neuen Standort in Warmenhuizen, in Ihrem Verantwortungsbereich. „Die lokalen Erzeuger sind unser Kompass. Indem wir mit diesen in ihrer eigenen Region eng zusammenarbeiten, können wir jene Eigenschaften auswählen, die am besten zu ihren Wünschen passen. Das ist ein großer Vorteil.“

Hazera ist Teil von Limagrain Vegetable Seeds, dem zweitgrößten Saatveredelungsunternehmen der Welt. An Michiels: „Wir haben Niederlassungen an unzähligen Orten, darunter die neuen Testfelder in der Türkei und in Mexiko. Es ist wichtig, nah am Kunden zu sein. Erzeuger in der Türkei und in Mexiko haben andere Bedürfnisse als Erzeuger in Nordeuropa oder Asien. Sie kennen das örtliche Klima, die Krankheiten, sie wissen über die Bodenzusammensetzung für bestimmte Gemüsesorten Bescheid. Indem wir mit diesen Erzeugern von Niederlassungen in ihrer Region aus eng zusammenarbeiten, können wir Informationen schnell austauschen sowie effizient und adäquat auf Entwicklungen reagieren. Sie sind unsere oberste Priorität. Think global, act local. Das ist nicht umsonst unser Motto.“

 Entwicklung durch Selektion

An Michiels ist bei Hazera international für die ständige Weiterentwicklung der Abteilung Saatgutveredelung verantwortlich. „Meine Aufgabe ist es, Teams zusammenzustellen und deren Energie und Wissen so zu bündeln, dass wir die besten Produkte entwickeln können. Unsere Kunden stehen bei uns immer im Mittelpunkt. An erster Stelle sind dies die Erzeuger. Natürlich haben wir dabei auch immer den Konsumenten und die Supermärkte im Hinterkopf. In dieser Kette, vom Erzeuger zum Verbraucher, finden schließlich alle wichtigen Schritte statt. Der Erzeuger wünscht sich eine größtmögliche Ernte und vorzugsweise keine Krankheiten.“

Auf die Frage „Wie?“ antwortet sie: „Das ist nur auf Basis von Selektion möglich. Wir suchen nach dem natürlichen Widerstand in Pflanzen und kreuzen diese. Die rasche Wissensvermehrung in diesem Bereich hat uns enorm geholfen. Natürlich behalten wir dabei auch das Ernteergebnis im Auge. Gesunde Pflanzen mit großem Ertrag sind für den Erzeuger, die Vertriebskette und den Verbraucher von großer Bedeutung. Wenn diese Faktoren stimmen, werden die entsprechenden Pflanzen für die Saatguterzeugung verwendet.

Besondere Eigenschaften

Das Produkt muss vom Land geerntet und schließlich zum Supermarkt transportiert werden. Besondere Eigenschaften – wie Robustheit – sind erforderlich, um Schäden und Verderb zu verhindern. Bei der Veredelung wird hierauf viel Aufmerksamkeit gerichtet. An Michiels: „Der Supermarkt verkauft nur Gemüse, das frisch und attraktiv aussieht und – was vielleicht noch wichtiger ist – gut schmeckt. Wir sind die Quelle und es ist schön, sein eigenes Gemüse schließlich in den Supermarktregalen liegen zu sehen. Wo immer man ist, begegnet man Leuten, die unsere Produkte gekauft oder gegessen haben. Aus den Erfahrungen dieser Menschen lernen wir. Ich selbst will ebenfalls das Beste für meine Familie, meine Kinder und mich selbst. Gutes Gemüse trägt zu unserer Gesundheit bei.“

Das Klima als große Herausforderung

An Michiels glaubt, dass die Klimaveränderungen die größte Herausforderung der Zukunft darstellen. „Jeder in unserer Branche sieht es. Das hat großen Einfluss auf unsere zukünftige Arbeitsweise. Aus diesem Grund suchen wir ständig nach Innovationen. Wir greifen schnell neue Ideen für unsere Produkte und Sorten auf, um auf diese Veränderungen reagieren zu können, denn es entstehen neue Krankheiten und wir werden mit extremeren Niederschlägen und Dürren konfrontiert. Bei der Veredelung versuchen wir, das zu berücksichtigen. Außerdem ist es wichtig, die nachhaltige Entwicklung von Gemüsepflanzen zu unterstützen und auf diese Weise den Einsatz von Chemikalien so weit wie möglich einzuschränken.“

Gibt es noch andere Möglichkeiten, in diesem Spannungsfeld schnelle Erfolge zu verbuchen?

„Zum Glück können wir einzigartige Eigenschaften durch Zusammenarbeit mit anderen Saatgutunternehmen teilen. Das eine Unternehmen denkt hierüber, das andere darüber nach… Das funktioniert gut und beschleunigt den Veredelungsprozess. Auch die Wissenschaft spielt dabei eine Rolle. Letztendlich bewirkt diese Zusammenarbeit einen Vorteil für den Konsumenten.“

Kosten Sie selbst, an den internationalen Offenen Tagen

Möchten Sie selbst einmal die Ergebnisse unserer R&D-Bemühungen sehen? Dann besuchen Sie unsere internationalen offenen Tage, vom 25. bis 27. September in Warmenhuizen. Während der internationalen Offenen Tage präsentieren wir auf einem großen Feld ein umfassendes Sortiment an Freilandgemüsepflanzen. Sie können die neuesten Sorten und Innovationen kennenlernen. Kosten Sie selbst die Ergebnisse in Snacks und Gerichten, die frisch mit Gemüse vom Feld zubereitet werden.

Dr. An Michiels bei der R&D-Station in Warmenhuizen. „Die lokalen Erzeuger sind unser Kompass.“

Über Dr. An Michiels

Die in Belgien geborene An Michiels hat – abgesehen von ihrer Erfahrung in der Landwirtschaft – einen wissenschaftlichen Hintergrund. Sie schloss in Löwen ihr Studium der Molekularbiologie zum Thema Chicorée ab. Mit 27 Jahren ging sie für ein Postdoc-Studium für sechs Monate nach Amerika. Letztendlich blieb sie dort 14 Jahre. „Mein Postdoc-Studium wandelte sich zu einer Dissertation in Biotechnologie an der Universität.“ Die vergangenen sechs Jahre arbeitete sie für das niederländische Unternehmen Keygene Inc. in Rockville, Maryland, wo sie als CEO die amerikanische Tochtergesellschaft von Keygene gründete. An kannte Limagrain, die Muttergesellschaft von Hazera, bereits. Diese Genossenschaft, die sich in den Händen von fast zweitausend Bauern in Frankreich befindet, ist auch einer der Anteilseigner von Keygene. Zwischen ihren Funktionen bei Keygene und Hazera hat An außerdem fünf Jahre für Bayer gearbeitet.

Arbeiten bei Hazera: höchstes technisches Niveau mit Familiengefühl

An ist mittlerweile fast ein Jahr bei Hazera Seeds tätig und hat Freude an ihrer Arbeit. „Ich bin in einer Familie von Züchtern aufgewachsen. Bei uns drehte sich alles um Tomaten. Als Kind sieht man dann also, wie aus einem kleinen Tomatensamen eine starke Pflanze heranwächst, die eine ganze Saison lang Früchte abwirft. Ich kenne diese Welt also wie meine Westentasche. Bei Hazera herrscht auch ein Familiengefühl. Im technischen Bereich arbeiten wir als Unternehmen auf höchstem Niveau, aber letztendlich geht es um die Menschen, die bei uns arbeiten. Der Schlüssel zum Erfolg von Hazera sind meiner Meinung nach zweifellos der Enthusiasmus, das Engagement und das Talent unserer Mitarbeiter.“